Naturschutzgebiet Rauhe Wiese

1.050 Rauhe Wiese_04 Luftbild: Lichtung im Wald mit Streuwiesen, Bauminseln und Tümpeln.

Die Bergwachtbereitschaft Göppingen betreut zusammen mit der Bezirksstelle Naturschutz und Landespflege (BNL) Stuttgart das Naturschutzgebiet (NSG) „Rauhe Wiese“.

Zufahrt: Auf der Landstraße 1221 zwischen Bartholomä und Böhmenkirch bei Rötenbach auf Wanderparkplatz parken. Nun der Verbindungsstraße nach Weißenstein folgen, an der ersten Abzweigung im Wald (zweigt nach rechts ab, Wanderparkplatz) beginnt linker Hand das Hochmoorgebiet.

Der Wanderparkplatz kann auch unter der Woche über die Verbindungsstraße Weißenstein-Rötenbach angefahren werden.

Am Wochenende und an Feiertagen ist diese Straße für Kraftfahrzeuge gesperrt.

Geschichte und Entstehung:

Der Name „Rauhe Wiese“ beschränkt sich nicht nur auf des Naturschutzgebiet, sondern ist eigentlich auf das Flurstück zwischen den vier Erhebungen Hausknecht 694m, Kolmannswald 726m, Böhmenkircher Hau 715m und Schöner Berg 745.
Wasserundurchlässige Feuersteinlehme über dem karstigen Oberjura in Verbindung mit einer abzugträgen Situation – einer Wasserscheide zwischen zwei tertiären Hochtälern – sowie Niederschläge von jährlich 950 – 1000 mm führten zu flächigen Vermoorung. Obwohl die Torfmächtigkeiten nur etwa 40 cm erreichen, wird das Alter durch Pollenanalyse auf mindestens 5000 Jahre geschätzt.
Ähnlich dem Bewuchs des NSG „Rauhe Wiese“ kann man sich den Albuch früherer Zeiten großflächig vorstellen.

Durch Aufforstung und Trockenlegung blieb nur noch ein kleiner Teil dieser Landschaft übrig. Der Grundstein für das heutige NSG wurde 1935 gelegt, als der Eigentümer des Grundstückes Flächen verkaufen mußte, um laut Württembergisches Landesamt für Denkmalpflege - damals auch für den Naturschutz zuständig – „ein Stück der betreffenden Pflanzengesellschaft zu erhalten“.

Das NSG wurde laut Verordnung am 12.06.1975 ausgewiesen.

Beschreibung, Eigenheiten und Besonderheiten

Die Vegetation besteht hauptsächlich aus Borstgras-Rasengesellschaften, von Rudolf Hauff, dem Pionierforscher der „Rauhen Wiese“, als feuchte Heide mit „hochmoorähnlichen Charakter“ deklariert. Von 26 erfaßten Moosarten kommen allein sechs Arten für die Schwäbische Alb nur hier vor. Fünf Torfmoosarten – die Sphagnen – sind für die jetzige und zukünftige Hochmoorbildung wichtig. Die Übergangsbereiche zur allmählichen Hochmoorbildung, die sich nur über ein Wachstum des Mooses über dem Mineralwasserhorizont hinaus entwickeln kann, werden derzeit durch das Scheidige Wollgras gekennzeichnet. Man sieht flächiges Auftreten des Sparrigen Torfmooses zwischen der Pioniervegetation der Flatterbinse. In den staunassen Mulden breitet sich die Moosbeere erfreulicherweise aus; in höher gelegenen Pfeifengras-Flächen erholen sich wieder die Arnika-Bestände. Die beschriebene Bodenvegetation ist durchsetzt mit Restbeständen eines Eichen-Birkenwaldes, die inselartig in dem Biotop angesiedelt sind. Die Leitpflanzen der höheren Art sind: Vogelbeerbaum, Eiche, Birke.

Die Fauna kennzeichnet sich besonders durch Heuschrecken – und Libellenvorkommen. Heuschreckenarten sind je an ein bestimmtes Mikroklima angewiesen, so dass man verschiedene Heuschreckenarten verschiedenen Biotopsarten zugeordnet werden können. Auf der „Rauhen Wiese“ gibt es acht verschiedene Heuschreckenarten, wobei zwei Arten Pionierstandorte bevorzugen; die restlichen Arten sind Wiesen, - und Staudenflurbewohner.

Mit dem Anlegen von zwei Tümpeln innerhalb des Naturschutzgebietes hat sich das Libellenvorkommen erhöht. Insgesamt gibt es 11 verschiedene Arten, wovon fünf zu den Moorlibellen zählen. Drei Arten stehen auf der Roten Liste von Baden-Württemberg.

Die Flächen des NSG „Rauhe Wiese“ gehören verschiedenen Besitzern: dem Land Baden-Württemberg, dem Ostalbkreis und Privatbesitzern.

Pflegemaßnahmen

Im NSG wurden 1980 zwei größere Tümpel angelegt: eine Ringhülbe und ein mesotropher Tümpel.

Mit Grundstücksaufkäufe durch das zuständige Liegenschaftsamt konnte Fichtenwald beseitigt werden, und die Moorheide konnte sich erweitern. So wurde die schützenswerte Fläche um 3 ha vergrößert. Mit der Schaffung eines Laubwaldgürtels soll eine Abgrenzung zum fichtenbeherrschenden Wirtschaftswald gegeben werden.

Das NSG soll regelmäßig nach Pflegeplan von der BNL Stuttgart gemäht und ausgeschnitten werden.