RETTUNGSÜBUNG / Schwierige Aufgabe für die Retter der Bergwacht
Kletterer abgestürzt und schwer verletzt

"Ein Kletterer ist am Drehfels bei Geislingen abgestürzt", so die Meldung, die am Sonntagmorgen bei der Bergrettungswache "Schafhaus" bei Lauterstein einging. Sie war der Startschuss zur großen Hauptübung der Bergwacht Göppingen. Eine schwierige Aufgabe stand an.

RAIMUND WIMMER

KREIS GÖPPINGEN Mit zwei Einsatzfahrzeugen machten sich zehn Mitglieder der Bergwacht auf den Weg zum Einsatzort am Albtrauf. Sofort nach dem Eintreffen begann eine Einsatzgruppe mit der Suche nach dem Verletzten, denn der Meldung war nicht klar zu entnehmen, wo an der Felsengruppe der Verunglückte lag.

Das extrem steile Waldgelände mit all seinen Tücken, wie beispielsweise nasses Laub auf nassen Todholzstämmen und vermoostem Gestein oder durchnässter Waldboden und Geröll, erforderte höchste Aufmerksamkeit und Konzentration der Helfer. Der "Abgestürzte" wurde eingeklemmt zwischen einem Felsfuß und einem Baum gefunden. Eine erste Untersuchung ergab, dass der Kletterer sich einen offenen Unterschenkelbruch und eine Darmverletzung zugezogen hatte. Die Bergretter begannen sofort mit der Versorgung des Patienten und forderten einen Notarzt und das notwendige Bergegerät, eine Gebirgstrage, an. Der Notarzt verabreichte Schmerzmittel, eine Infusion wurde angelegt und Sauerstoff verabreicht. Nun konnten auch die Brüche schmerzfrei geschient und der Patient für den Abtransport vorbereitet werden.

Zwischenzeitlich hat sich auch die zweite Einsatzgruppe mit der Gebirgstrage zur Unfallstelle abgeseilt. Das Umbetten in die Gebirgstrage erwies sich als äußerst schwierig, denn zum einen musste der Verletzte aus dem Zwischenraum zwischen Fels und Baum möglichst schonend herausgetragen werden, zum anderen war das Einladen in die Trage wegen der Steilheit des Geländes und dem Platzmangel erschwert. Mit Statikseilen wurden zwei Retter mit dem verunglückten Kletterer in der Gebirgstrage mehrere hundert Meter durch das steile, rutschige und steinschlaggefährdete Waldgebiet ins Eybacher Tal abgeseilt.

Bei der anschließenden Abschlussbesprechung in der Bergrettungswache dankte Bereitschaftsleiter Uwe Strofus den Mitgliedern der Bergwacht für ihre Einsatzbereitschaft im vergangenen Jahr. Die Übung habe den hohen Ausbildungsstand der Bergretter aus Göppingen wieder einmal eindrucksvoll dokumentiert. Vor allem das Engagement vieler Bergwachtmitglieder als Helfer vor Ort (HvO) trage zu einer hohen Qualität speziell im Bereich Sanitätswesen bei.

Der technische Leiter für die Bergrettung, Bernd Rein, machte sich für die Beschaffung eines zweiten GPS-Geräts stark, denn dadurch könne noch schneller und effektiver die genaue Lokalisierung von Einsatzstellen, vor allem im unwegsamen Gelände erfolgen und an die jeweils nachfolgenden Einsatzgruppen übermittelt werden.