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Die mit den Rettungskräften tanzt Rätselhaftes Phänomen: Junge Heidenheimerin provoziert ständig Sucheinsätze
18 Jahre jung, ist sie doch schon eine Altbekannte. Zumindest bei der Polizei und bei Hilfsorganisationen, welche die Heidenheimerin bereits seit Jahren mit zum Teil groß angelegten Such- und Rettungsaktionen auf Trab hält.
ERWIN BACHMANN
Mittwoch, 17.30 Uhr, unweit von Eybach. Bewohner der Unteren Roggenmühle vernehmen Hilfeschreie aus dem gegenüberliegenden Steilhang. Sie greifen zum Fernglas, tasten das von Bäumen und Felsen durchsetzte Gelände ab – und entdecken in einer Lichtung tatsächlich eine offenbar hilflose Person. Auf diese Entdeckung hin werden die Rettungsdienste alarmiert, worauf sich ein Großaufgebot von Helfern in Marsch setzt. Bergwacht, Feuerwehr und ein Rettungshubschrauber treffen im Roggental ein und machen sich daran, zu dem nach der ersten Vermutung schwer verletzten Menschen vorzudringen. Dies gestaltet sich äußerst schwierig, da der Hang von Sturmholz übersät ist. Erst mit Hilfe von Kettensägen kann in dem exponierten Gelände des Albtraufs eine begehbare Schneise geschaffen werden, um zu der auf halber Hanghöhe liegenden Stelle zu gelangen, wo sie eine junge Frau vorfinden. Trotz des schnellen Eingreifens der Rettungskräfte dauert es rund eine Stunde, bis das offenbar schwer verletzte Unfallopfer mit einer Spezialtrage zu Tal gebracht wird.
Die Ursache des Geschehens ist an diesem Mittwochabend noch unklar. Den Rettungskräften gegenüber gibt die Heidenheimerin an, mit ihrem Mountainbike allein unterwegs gewesen zu sein und einen Forstweg befahren zu haben, der auf der Anhöhe am Hang entlang führt. Dann will sie sich nur noch daran erinnern können, irgendwann gestürzt zu sein. Wie lange sie bereits im Steilhang lag, vermag sie nicht zu sagen. Die Helfer rätseln zunächst, werden dann stutzig: von einem Fahrrad weit und breit keine Spur.
Erst am Tag danach kommt ganz allmählich Licht ins Dunkel des dubios anmutenden Geschehens. Ärzte stellen fest, dass die Frau völlig unverletzt ist, und die mit den Heidenheimer Kollegen in Kontakt tretenden Ermittler der Polizeidirektion Göppingen finden heraus, dass die 18-Jährige zumal unterm Hellenstein bei Weitem keine Unbekannte ist, in der Vergangenheit schon reihenweise ähnliche „Unfälle“ erlitten oder aber selbst inszeniert hat. So schließt man bei der Heidenheimer Polizei inzwischen nicht mehr aus, dass die junge Frau unter dem zwanghaften Verhalten leidet, sich an zumeist schwer zugängliche Stellen zu begeben und sich dort – mal mit mehr, mal mit weniger Aufwand – suchen zu lassen.
HZ-Informationen zufolge ist die 18-Jährige in der Vergangenheit in rund zehn Fällen auf derart mysteriöse Weise in Erscheinung getreten. Spektakulär im Oktober vergangenen Jahres, als sie selbst von ihrem Handy einen Notruf abgesetzt und angegeben hatte, in einemWaldstück bei Königsbronn vom Rad gefallen zu sein. Rettungskräfte hatten daraufhin ihr Mobiltelefon geortet und die Radlerin im Bereich von Ochsenberg abseits des Weges an einem Abhang gefunden – unverletzt. Monate zuvor hatte sie sich nach einem angeblichen Inliner-Unfall aus einem Wald bei Heidenheim gemeldet und war ins Klinikum Heidenheim eingeliefert worden. Und genau ein Jahr liegt ein Vorfall im Eselsburger Tal zurück: Ein Wanderer war in Höhe der Bindsteinmühle Hilferufen nachgegangen und hatte die Jugendliche am Hang liegen sehen, wobei angenommen werden musste, dass sie den Berg hinuntergestürzt war. Der daraufhin alarmierte Notarzt war mit dem Rettungshubschrauber eingeflogen worden. Auch hier – wie in allen anderen polizeibekannten Fällen – hatte sich die junge Frau nicht ernsthaft verletzt.
Nur vier Tage vor dem jüngsten Geschehen bei Eybach war die Heidenheimerin bei den Ellwanger Stauseen aufgelesen worden, wo sie neben ihrem Fahrrad am Boden lag. Daraufhin wurde sie in die Jugendpsychiatrie eingewiesen, wo sie dem Vernehmen nach von einem Familienangehörigen abgeholt wurde. |