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Scheinbar Unmögliches geschafft Der blinde Extremkletterer Andy Holzer beeindruckt in Eislingen
Der Extremkletterer Andy Holzer überwindet Barrieren. Am Freitag berichtete der von Geburt an blinde Osttiroler in der Eislinger Stadthalle auf beeindruckende Weise von seinen Kletterpartien. KATHRIN SCHOCH EISLINGEN. Was viele nicht für möglich halten, gelingt Andy Holzer scheinbar spielerisch leicht: Das Hinaufsteigen auf die steilsten Gipfel der Welt, über Schnee, Eis und durch überhängenden Fels. In der Eislinger Stadthalle hat er auf Einladung der DRK-Bergwacht Göppingen am Freitag seine fast unglaubliche Geschichte erzählt. Andy Holzer wird 1966 mit einer Netzhauterkrankung blind geboren. Dennoch geht er schon mit drei Jahren erstmals zum Wandern. "Meine Eltern haben mir das zugetraut. Klettern aber, dachten sie, das geht mit einem blinden Kind nicht", erzählt Andy Holzer. Doch felsiges Terrain kommt dem Jungen entgegen, hier kann er sich, anders als beim Wandern, am Fels entlang tasten, den Weg erspüren. Die erste echte Bergtour mit neun Jahren auf den Spitzkofel wird für ihn zum Schlüsselerlebnis. Doch dass ein Blinder wirklich klettern kann, das will lange Zeit niemand glauben. Viel zu riskant, das gibt es nicht, das geht nicht. Schließlich findet sich doch noch einer, der mit ihm in die Berge will: Mit dem erfahrenen Bergführer Hans Bruckner geht er jahrzehntelang klettern und lernt, sich sicher in den Bergen zu bewegen. "Meine Hände sind meine Augen", sagt Holzer. Mit ihnen tastet er den Fels ab, sucht Tritte für die Füße. Durch Geräusche orientiert er sich, bleibt auf gefährlichen Abschnitten in Berührung mit seinem sehenden Kletterpartner. So erarbeitet er sich mit dem eigenen Körper ein Bild vom Berg. Seine Erfahrungen konnten die Zuhörer in Eislingen auf eindrucksvolle Weise nachvollziehen. Der 42-Jährige zeigte, unterstützt von seiner Frau Sabine, Filmsequenzen und Fotos seiner Bergtouren. Diese werden mit den Jahren immer anspruchsvoller, auch die Zahl der Kletterpartner wird immer größer. Die Durchkletterung der Nordwand der großen Zinne 2004 ist "wie eine Mondlandung" für ihn. Es folgen unter anderem Besteigungen des Kilimanjaro in Afrika mit anderen Blinden, des Aconcagua in Südamerika, des Mt. Elbrus im Kaukasus und in diesem Jahr des Mt. McKinley in Alaska - alle vier sind die höchsten Berge ihres Kontinents. Mit dem ebenfalls blinden Kletterer Erik Weihenmayer aus den USA wagt Andy Holzer 2006 das Unfassbare: Ohne Hilfe eines Sehenden besteigen die beiden erstmals den Roten Turm in den Lienzer Dolomiten. Dass er es als Blinder schafft, seine Barrieren zu überwinden, ist die Botschaft, die Andy Holzer anderen vermitteln will. "Was alles möglich ist trotz Einschränkungen, das möchte ich den Menschen klarmachen." Mit angehaltenem Atem lauschen am Freitagabend in Eislingen 150 Menschen dem Vortrag von Andy Holzer. Vielen hat er durch seine offene, herzliche und lebensfrohe Art die Augen geöffnet. Das sagt auch sein Lehrmeister Hans Bruckner: "Andy hat mir das Sehen beigebracht." Diese inspirierende Geschichte hätte mehr Zuhörer verdient gehabt. |