Klettern am Limit

Wenn die Huberbuam Thomas und Alexander vom Kraxeln reden, dann meinen sie Bergsteigen und Klettern in seiner extremsten Form.

HANS STEINHERR

Göppingen Über sich Fels und unter sich gähnendes Nichts. Ohne Seil und Haken. Der jüngere der beiden Huberbuam Alexander kommt am Montag mit einem Multivisionsvortrag nach Göppingen.

Sie leben für ihren Sport. Thomas - Jahrgang 1966 - und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Alexander. Bergsteiger, die in Traunstein und Berchtesgaden zu Hause sind. Wenn sie nicht gerade zusammen an Granitwänden Patagoniens kleben oder mit Touristen in den Eiswänden der Antarktis herumklettern oder auf Vortragstour im In- und Ausland unterwegs sind. Die Huberbuam zählen zu den extremsten und besten Free- und Speedclimbern der Welt. Am kommenden Montag kommt Alexander in die Stadthalle nach Göppingen. Präsentiert sich und seinen Bruder im Multivisionsvortrag "Opera Vertikal". Eingeladen hat die Göppinger Bergwacht. Weil sie 70-jähriges Bestehen feiert.

Freeclimbing ist Klettern ohne Haken und Ösen. Nerven wie Drahtseile sind das einzige, was sichert. Kein Seil, kein doppelter Boden. Wie Spinnen hängen Freeclimber an der Wand. Und weil den Huberbuam das als Kick nicht ausreicht, kommt die Geschwindigkeit als weitere Stimulanz hinzu. Dann kann von Klettern nicht mehr die Rede sein. Speedclimber sind Rennläufer in der Senkrechten. Wahnsinnige? Alexander gilt als Pragmatiker, Rationalist und Planer. Hat ein Diplom als Physiker und die Abschlussprüfung eines Berg- und Skiführers in der Tasche. Wahnsinnig sicher nicht. Ein wenig verrückt vielleicht. Der El Capitan ist ein etwa 1000 Meter senkrecht hoher Monolith im kalifornischen Yosemite-Nationalpark. 1958 hatte ihn der US-Bergsteiger Warren J. Harding mit zwei Freunden nach 47 Tagen bezwungen. Alexander und Thomas schafften das Bergrennen im vergangenen Jahr in unglaublichen 2:45,45 Stunden. Das wiederum ist wahnsinnig. Bei einem ersten Versuch im Herbst 2005 war Alexander in leichtem Gelände noch 17 Meter in die Tiefe gestürzt.

Am Montag wird er vielleicht auch von der Free-Solo-Tour "Cool you foot man" - Schwierigkeitsgrad 8a+ - erzählen. Viel mehr geht kaum noch und darunter machen es die Brüder kaum noch. Oder vom Klettern unter dem Dach des Pan Aroma mit seinen 40 ausladenden Metern. Freihändig aus dem Stegreif. Denn seine Vorträge hält Alexander natürlich auch ohne Seil und Haken.