Filmküsse im Rettungsschlitten

Requisite aus Göppingen

Wenn es Oscars für Filmrequisiten geben würde, stünde ein ausgedienter Rettungsschlitten aus den Beständen der Göppinger Bergwacht mit Sicherheit ganz weit oben in der Vorschlagsliste. Der Schlitten, Experten sagen Akija, wird in einigen Sequenzen des jüngsten Spielfilms von Regisseur Veit Helmer eingesetzt, und für die Filmkritiker gehören die Szenen, in denen der Akija auftritt, wahlweise zu den schönsten, faszinierendsten oder auch bezauberndsten in „Absurdistan" - so der Titel des Films. Beispielsweise wird der Schlitten zum Bett, in dem die Hauptdarstellerin Aya (Kristyna Malerova) wie in einer Gondel bei Vollmond über die Dächer ihres Dorfes schwebt - angehimmelt und abgebusselt von ihrer Filmliebe Temelko (Maximilian Mauff).
Dass es der ausgediente Akija anstatt zum Schrotthändler in den Film geschafft hat, verdankt er dem Internet. Auf der Suche nach der wichtigen Requisite für „Absurdistan" stieß Helmers Produktionsteam auf die Internetseite der Göppinger Bergwacht und später auf Uwe Strofus, den Bereitschaftsleiter des alpinen Rettungsdienstes. Wie's der Zufall wollte, hatten die Göppinger gerade einen ausgedienten Schlitten parat, der wenig später seine Reise über Berlin in die Bergwelt von Aserbeidschan antrat. Dort ist der Film im Frühjahr 2007 gedreht worden.
Natürlich freuen sich die Bergwacht-Mitglieder darüber, dass ihr Schlitten in dem Streifen buchstäblich eine tragende Rolle spielt. Geradezu mit Stolz erfüllt sie allerdings, dass die Filmcrew darauf verzichtete, die Herkunft des Akijas unkenntlich zu machen. Und deshalb entdeckt der Zuschauer, wenn er im Kino genau hinschaut, den Schriftzug und das Emblem der Göppinger Bergwacht auf dem Rettungsschlitten, wenn dieser bei Vollmond über „Absurdistan" schwebt.

Gerhard Schertier